Gerade hat das neue Jahr begonnen und natürlich hast du dir Ziele gesetzt. Berufliche und auch Private. Du willst ja was ändern und was erreichen. Macht ja jeder so und ist im Grunde auch die Basis unserer Leistungsgesellschaft. Selbst-Optimierung für den Erfolg. Immer an die Spitze.

Hast du schon mal auf den Beipackzettel dieser Droge geschaut? Den Abschnitt mit den Nebenwirkungen?
Warum nehmen wir uns eigentlich vor, nicht mehr zu rauchen, mehr zu sparen, endlich abzunehmen, das Klima zu retten, die Beförderung jetzt anzugehen, unser Business dramatisch zu steigern, mehr Kunden zu gewinnen, das Ehrenamt, die Clubmeisterschaften … ?

Gewinnen wollen – an der Spitze sein – Wettbewerb …. alles nur Spiele um etwas zu erreichen: Anerkennung – Liebe – Status. Aber das sagen wir natürlich nicht, dass ist tabu.

Spätestens jetzt bekomme ich wohl Haue von den Leistungsorientierten und diversen Wissenschaftlern. Denn es ist völlig normal, dass wir uns anstrengen und Ziele setzen, damit wir den Kurs kennen. Ich spreche aber nicht von den Navigationszielen, sondern von den Verlockungen, wie wir schöner, besser, schneller, reicher usw. werden. Das ist Common Sense. Oder?

Der Grad ist sehr schmal zwischen „Streben nach Verbesserung und Wachstum“ und „Selbst-Aufgabe für den Status“. Das eine ist Persönlichkeitsentwicklung und das andere wird unter dem Deckmantel der Selbstoptimierung überall von Beratern, Trainern, Motivationsgurus, Erfolgstrainern, ja sogar von Selbstfindungstrainern angeboten.
Die Botschaft lautet: DU bist NICHT gut genug!!!

Und so machen wir uns auf, uns selbst zu verbessern in einer Welt, die sooooo viele Möglichkeiten hat – und so wenig Maß und Orientierung mehr bietet. Geschwindigkeit und Sofortness sind Trumpf. Alles ist agil und disruptiv. Nichts hat mehr Bestand, wir stellen alles in Frage und geben immer mehr Gas. Weil wir die Erwartungen erfüllen wollen …

WIR?

Ja wir – die Gesellschaft, DU und ICH. Wir Beschleunigung uns selbst und streben nach dem goldenen Kalb des Erfolgs, der Schönheitsideale, des Top-Business, der äußeren Ziele, den Erwartungen anderer. Und vergessen dabei uns selbst. Das, was für UNS wichtig ist. UNSEREN eigenen Maßstab und was uns gut tut. Unser „normales Leben“, was vielleicht kleiner und nicht ganz so glitzernd ist – in dem wir aber glücklich sind. Doch das sagen wir nicht laut, weil unser Umfeld, die Familie usw. andere Maßstäbe und Erwartungen haben…

Die Nebenwirkungen der Selbstoptimierung:

Wer immer nur Gas gibt, hat keine Zeit mehr für Erholung. Wie eine Raktenstufe die ihren gesamten Sprit verfeuert, um zu beschleunigen. Und dann brennt die Stufe aus. Leer und erschöpft stürzt sie ab. Burnout. Ganz beiläufig erzählen wir uns Tag und Nacht im Kopf: Du bist nicht gut genug. Streng dich mehr an, Was denken die Nachbarn usw. Nicht so, dass wir es laut hören würden – viel subtiler ist das Flüstern der selbstzerstörerischen Gedanken.

Aus Gedanken werden Überzeugungen und daraus Handlungen. Der Autopilot der Selbstverbesserung übernimmt und versucht, auf allen Hochzeiten bestmöglich zu tanzen. Kennst du das? Dein Vergleichs-Memory in stillen Momenten? Oft mitten in der Nacht und raubt dir den Schlaf?So hab ich es selbst erlebt vor einigen Jahren. Vielleicht kann ich dich davor bewahren?

Auf der Suche nach Spitzenleistungen macht es Sinn, die eigenen Ressourcen zu kennen und klug einzusetzen. Die zunehmende Geschwindigkeit unserer Welt lässt uns dafür oft keinen Raum mehr. Dabei ist es fundamental wichtig, DEINEN eigenen Weg zu gehen. Sich an anderen und deren Zielen zu messen bringt dich früher oder später an den Rand der Überforderung und der Erschöpfung. Und die enorme Menge an „Möglichkeiten“ stellt uns täglich vor tausende kleinere und größere Entscheidungen. Das ist anstrengend und macht uns müde, wie die moderne Hirnforschung weiß.

Deshalb ist „Selbst-Optimierung“ auch so herausfordernd. Die Dosis macht das Gift und wir werden sehr verführt durch die immerwährende mediale Präsenz der „tollen Angebote“. Wir konsumieren das freiwillig und sind im Spiel.

Burnout ist eben nicht eine Folge von zu viel Arbeit. Es ist das Ergebnis von erschöpften Ressourcen und Rastlosigkeit, von fehlender Ausrichtung und fehlerhaften mentalen Programmen und Gedanken, Allways-on und ständiger Optimierung ohne sicheren Platz auf der Welt. Burnout ist eine Erscheinung unsere heutigen Art zu leben. Meiner Meinung nach.

Was tun?

* Prüfe deine Ziele für 2020 und streiche jene, die zur Erfüllung der Erwartungshaltung anderer dienen.* Werde dir bewusst, was du mit DEINEN Ressourcen erreichen kannst!* Vergleiche dich nicht mit anderen* Baue Stille und Erholung in dein Leben ein.* Schlafe ohne Handy und Social Media * Digital Detox – Always on macht erst dumm und ist auf Dauer tödlich* Pflege Freundschaften* Liebe!* Entwickle deine Persönlichkeit mit Maß* Küsse und hab Sex – genieße das Leben
Ich wünsch dir den MUT, du selbst zu sein 😀

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