Aus dem Prolog

An einem kalten und nebligen Novembertag 2011 klingelte mein Telefon und mein Banker war dran. „Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass ihre Konten gepfändet und gesperrt worden sind“, sagte die Stimme am anderen Ende. Danach weiß ich nicht mehr viel. Meine Welt wurde schlagartig dunkel. Das war der Moment, in dem ich meinen Burnout erstmals richtig erkannte. 

Für einen Selbstständigen mit kleiner Coaching- und Trainingsfirma ist es wie ein Todesstoß, wenn die Bank den Hahn zudreht. Egal aus welchem Grund. Du bist nicht mehr Handlungsfähig und von einem auf den anderen Moment wird dir genommen, was du so sehr liebst: die Fähigkeit, frei zu entscheiden und Dinge zu gestalten. Dieses Gefühl der Ohn-Macht verstärkte sich in den folgenden Tagen bis zu der unerträglichen Gewissheit, finanziell und beruflich gescheitert zu sein.

Das allein ist schon tragisch und reicht für die meisten Menschen sicher aus, um verzweifelt zu sein. Doch der Umgang mit Unsicherheit ist für einen Unternehmer tägliches Brot und führt normalerweise zu vermehrten kreativen Handlungen. Diesmal war es allerdings anders. Ich konnte nicht mehr handeln – ja nicht mal mehr vernünftig denken. So sehr ich es auch wollte. Mir fehlte einfach die Kraft, noch irgendetwas zu tun. Ausgebrannt. Burnout.

Die Faust der Erkenntnis traf mich so unvermittelt, dass ich wie bei einem K.O. Schlag von den Füßen gerissen wurde und krachend auf den Boden aufschlug. Ich erinnere mich an diese unwirkliche Szene, wie alles um mich herum plötzlich wie in Zeitlupe zu mir durchdrang. Mein Blick war verschwommen und ich hörte nur noch Gemurmel und Geräusche. Meine Sinne versagten und tatsächlich wurde es binnen weniger Tage dunkel um mich herum.

Theatralisch? Ja, vielleicht. Aber die Wucht der Gefühle in diesen Tagen war so unglaublich stark, dass ich es kaum beschreiben kann. Meine Existenz war vernichtet und ich wehrte mich immer noch innerlich, diese neue Situation anzuerkennen und zu akzeptieren. 

Denn was wirklich geschehen war, hatte eine noch viel größere Dimension. Mir war damals nicht bewusst, dass dieser Moment nur das Ende eines schon lange sicht- und spürbaren Prozesses war. Die Geschichte könnte hier ja enden, weil ich meinen Burnout hatte. Der Klassiker: Stress an der Arbeit, Überforderung, finanzielle Sorgen … und schon passe ich in die gängige Vorstellung eines Burnout. Doch das ist einfach nicht die ganze Wahrheit.

In meinem Leben lief schon länger so einiges nicht mehr rund. Und zwar nicht nur beruflich. Eigentlich brannte es in allen Lebensfeldern – Beruf, Finanzen, Freunde, Körper, Sinn, Familie, Partnerschaft. Überall hatten sich in den letzten 4 Jahren Themen angesammelt und brannten mehr oder weniger stark. Ich hatte mich voll auf die Firma konzentriert und mich deshalb um vieles erst mal nicht gekümmert. Und „auf einmal“ brannte es in allen Feldern lichterloh. 

Am schlimmsten war für mich der Moment, als meine Partnerschaft und die Familie unter all der Anspannung zu zerbrechen drohte. Dies war immer der Ort gewesen, an dem ich Kraft tanken konnte. Und dann habe ich diesen Ort nach und nach verloren. Das Ergebnis: No home – no castle – No power. 

Die ganze Wahrheit über meinen Burnout ist, dass es ein Flächenbrand war. Ein Multifaktoren-Problem und nicht etwa nur auf eine Ursache oder „Stress im Beruf“ beschränkt. Das war eine wichtige Erkenntnis, die ich später mit vielen Klienten immer wieder hatte:

Burnout kommt nicht nur vom Job!  

[…] An dieser Stelle kann ich schon mal erwähnen, dass ich meinen Burnout hinter mir habe. Schmerzhaft, oft schwierig und herausfordernd und es brauchte Zeit. Am Ende habe ich mich aber selbst neu gefunden! 

Die härteste und wichtigste Erkenntnis für mich: 

Schau in den Spiegel und lass die ganze Wahrheit über deine Situation,deinen Körper und dein Umfeld an dich ran!

Erkenne, was wirklich ist –

und akzeptiere es.

Ein erster Eindruck von meinem sehr persönlichen Buch. Im laufe der Jahre hat es sich gewandelt von einem Bericht über meine Erfahrungen über einen Ratgeber zur Burnout Verarbeitung hin zu einem Mut-Mach-Buch für Betroffene. Denn im Grunde ist ein Burnout eine sehr schwere Krise im Leben eines Menschen und praktisch immer ein Zeichen für einen (möglichen) Übergang und persönliches Wachstum. Das Buch zeigt, was geschieht, wenn aus der Identitätskrise plötzlich Einsichten über deine Berufung kommen. Und wie zufrieden und erfüllt du werden kannst, wenn du diesem Ruf auch folgst und dein Leben entsprechend ausrichtest.

Schreib mir, was du dazu denkst und welche Fragen zum Buch du gern beantwortet hättest. Weitere Artikel folgen.

Detlef Gumze gelassen

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