„BIST DU BESCHEUERT?“ hörte ich die Stimme in mir. „Was glaubst du denn, wer du bist?“ „Was, wenn du dich da völlig blamierst?“ „Du hast doch gar nichts zu sagen!“ „Du bist doch introvertiert und keine Rampensau.“ … und überhaupt: DU kannst nicht reden!“  Neulich habe ich mich mit meiner Frau zum Gold-Programm von Hermann Scherer angemeldet. Wir wollen auf die Bühne und mehr Menschen als Redner inspirieren. Da lernen wir von den Besten – dachten wir. Doch schon in der ersten Nacht wachte ich plötzlich schweißgebadet auf und saß kerzengerade im Bett: DIE Stimme hatte übernommen. Mal wieder war ich mittendrin und nagende Selbstzweifel überkamen mich.

Vielleicht kennst du das aus deinem eigenen Leben: Du hast dich mit einer Sache intensiv beschäftigt, abgewogen, deinen Bauch befragt und entschieden. Da kommen dir Zweifel. Weil du nicht diesen unerschütterlichen Glauben an dich hast, so gut zu sein und auf jeden Fall richtig zu liegen. Oder wie die Köllner sagen: „Es kommt wie es kommt und es ist schon immer gut gegangen.“ (Sorry, ich kann nicht Kölsch da klingt es besser)“ Zwischen dem sehr hohen Selbstwert und der unerschütterlichen Lebensfreude und Optimismus gibt es diese Menschen, die auch getroffene Entscheidungen dann doch mal wieder hinterfragen. Das ist nervig, anstrengend, erfolgseinschränkend und hinderlich. Tabu in der schillernden Außenwelt der heutigen Gesellschaft. Und doch ist es da und es betrifft viel mehr Menschen, als man so denkt.

Ist doch ganz einfach, werden jetzt viele positiv Denker und Erfolgsgurus sagen. Passend zum Zeitgeist. Du kannst alles erreichen! Wisch sie einfach weg diese Gedanken und fokussiere dich auf dein Ziel! Du musst einfach an dich glauben, dann wird das schon. „Du bist ein Gewinner … und unaufhaltbar!“ Oder Sätze wie: Wenn DU nicht an dich glaubst, wie sollen es dann andere tun? Nur wenn du deine Vision vor Augen hast, wirst du Großes erreichen.

  • Gehen die Selbstzweifel davon weg? Nein. 
  • Bist du vielleicht deshalb Therapiebedürftig? Nein! 
  • Hast du deswegen gar einen VORTEIL in der heutigen Zeit? JA!

Hier also ein 3 Tipps, wie du sofort deine Selbstzweifel nutzen kannst:

1.) Du bist achtsam und feinfühlig für Signale. Stellst Entscheidungen in Frage. Grundlage für ein AGILES MINDSET.

Mach dir keine Gedanken, wenn du nicht weißt, was das ist. Im Kern geht es um die innere Haltung von Menschen, die heutzutage Flexibilität und Anpassungsfähigkeit voraussetzt. Richtig genutzt wird die vermeintliche Schwäche der Selbstzweifel damit zu einer große Stärke in der heutigen Welt. Weil es wichtiger ist, sich zusammen mit anderen Gedanken über die Auswirkungen von Entscheidungen in komplexen Systemen zu machen und dabei viele Meinungen zu integrieren. Ganz anders, als die „einsamen Helden und Entscheider“ wie Trump. Du kannst lernen, mit den auftauchenden Zweifeln zu arbeiten. Sie zu nutzen, um frühe Signale für mögliche Hindernisse zu bekommen. Sogar aus der Welt der Bauchgefühle. Das ist großartig!

2.)  Du bist selbstreflektiert. Basis für eine wirksame und STARKE PERSÖNLICHKEIT.    

Ist das nicht paradox? Nicht wirklich. In der heutigen Zeit braucht es wieder mehr Orientierung für jeden von uns. Durch die Selbstreflexion steigt dein Bewusstsein für deine Talente und Fähigkeiten genauso, wie deine Sicht auf deine Schwächen. Jetzt kannst du lernen, dich auf deine Stärken zu konzentrieren und trotzdem zu deinen Schwächen zu stehen … und damit wirst du mehr und mehr zu einer authentischen und starken Persönlichkeit. Mehr Wirksamkeit ist garantiert.   

3.) Du erkennst Schwächen schnell – bei dir und bei anderen. Wichtig für SELBSTFÜHRUNG.    

Es gibt viel mehr Menschen als Superhelden. Und Menschen haben nun mal Schwächen. Das macht uns sympathisch und liebenswert (ok, nicht alle). Und es führt dazu, dass wir uns schneller in Gruppen wohlfühlen uns uns solidarisieren. Weil wir eben alle irgendwie umperfekt sind. Götter mal ausgenommen. (Obwohl ich Zweifel bekommen habe, als ich neulich diesen saufend und verkommen Gott Thor bei den Avengers sah …) 
Das Geheimnis ist, dass Menschen sich leicht in einer Gruppe tun, deren Schwächen sie eben auch kennen und gemeinsam darüber schweigen. Das stärkt den Teamgeist und das miteinander, währende Unfehlbarkeit einsam macht. 

Richtig genutzt kannst du mit deiner Kenntnis für die Schwächen viel besser erkennen, wohin dein Weg NICHT führen sollte. Welcher Job NICHT so gut zu dir passt und welche Chance dich sehr herausfordern wird. Der ehrliche Blick in den Spiegel offenbart, dass Schwächen normal sind. Und so bekommst du wichtige Impulse für deine tägliche Selbstführung. Du kannst entscheiden, wo deine Energie gerade gut investiert ist. 

Du siehst, es geht eben oft um die Perspektive und du kannst üben, diese anderen Sichtweisen mal auszuprobieren. Mir hat es schon wieder geholfen, dir darüber zu schreiben 🙂 … und pssst: für mich ist Tipp Nummer 2 gerade sehr hilfreich. 

Die Bühne kommt, reden vor vielen fremden Menschen wird geübt und ich lasse weg, was nicht zu meinem Stil passt. Denn der Vergleich mit anderen macht mich ja unglücklich. Aber das ist eine neue Geschichte.

Überrasche dich selbst mit großartigen Nutzen aus deinen Selbstzweifeln.