Betrachtet man die Ausbildung unter ganz nüchternen und kaufmännischen Gesichtspunkten, gebe ich hiermit ein Feedback zu über 220h theoretischen und praktischen Unterrichts zum Thema Coaching ab. Doch das trifft es wesentlich zu kurz für mich. In dieser Zeit fand in mir auch eine Veränderung statt, die ich auf diese Art und Weise und in dieser Geschwindigkeit nicht vollzogen hätte. Von daher umfasst für mich der Begriff der “Leistung” auch ein anleiten, führen, kritisch hinterfragen und geistiges “kitzeln” der beiden Ausbilder. Für mich eine Leistung, die ich im Grunde nicht monetär ausgleichen kann.

Was ist dann also passiert bei mir? Durch mein Studium und meinen ausgeübten Beruf, war ich sehr stark auf Prozesse und Leistung getrimmt. Mein Kopf bestimmte die größten Teile meines Handelns – beruflich wie auch privat. Das war nicht immer so, erschien mir aber im Grunde so “natürlich” zu sein. Durch die Ausbildung habe ich wieder viel mehr Kontakt zu meinen Gefühlen bekommen. Gefühle, die mir in privaten wie auch in beruflichen Situationen sehr viel weiter helfen. Ich rede jetzt nicht mehr mit Menschen über Prozesse, sondern kann viel besser verstehen, warum die Prozesse so sind, wie sie sind, um dann MIT dem Menschen die Prozesse zu gestalten – falls dies dann überhaupt noch notwendig ist. Meine Welt ist durch die Ausbildung “bunter” geworden – es finden sich viel mehr Farben und Facetten in ihr – und deutlich mehr Möglichkeiten und Mögliches in ihr. Eine weitere Veränderung ist natürlich auch mein Coach sein und meine Zukunft als Selbständiger. Auf diese Idee wäre ich vor der Ausbildung sicher nicht gekommen. Wieder eine Möglichkeit, die mir die Ausbildung eröffnet hat. Durch die Ausbildung habe ich mir die Zukunft “gemalt” und schon erlebbar gemacht. Das Feuer zur Verwirklichung eingefangen.

Veränderung als Kennzeichen unserer Zeit – als einzige Konstante. Grade diese Ausbildung zeigt neue Möglichkeiten, wie man für sich selber mit Veränderung umgehen kann – und weiter verändert. Für wen macht sie also Sinn? Füralle Menschen, die mit Veränderung zu tun haben. Sei es jetzt ein Berater oder ein Manager. Für beide Gruppen stelle ich es mir interessant vor, wenn sie ihre Paradigmen und Glaubenssätze erkennen und sich ohne sie noch “freier” bewegen/ denken können. Seit der Ausbildung achte ich viel mehr darauf, was laut Aussagen von Menschen alles geht bzw nicht geht und erkenne so viel deutlicher, welche Grenzen sich diese Menschen selber setzen. Ich finde es wichtig und sehr dienlich, wenn solche Paradigmen verändert und Perspektivenwechsel vollzogen werden können. Vorausgesetzt ist allerdings, dass diese Menschen eine entsprechende Reife haben, so einen Wechsel auch für sich zu wollen. Dies haben nicht viele. Und einige auch nur scheinbar. Veränderung und Verbesserung ist das, was viele (in meinem Umfeld) nach außen hin wollen – aber kaum jemand wirklich FÜR SICH will. Hier zieht die “erstbeste” Lösung: die Anderen sollen sich verändern. Die Erkenntnis, dass wenn man sich selbst ändert, sich die anderen auch ändern werden, bringt unheimlich viel Energie und Möglichkeit mit sich.

Keine gute Ausbildung ohne gute Ausbilder!Sonja und Detlef reagieren sehr ausgewogen und mit innerer Ruhe auf ihre Schüler. Es gab keine Situation, denen sie nicht gewachsen waren. Neben den fachlichen Inhalten ist mir Humor sehr wichtig – den hatten wir an jedem Ausbildungstag in jeder Stunde. Gepaart mit den praktischen Übungen konnte ich so am besten lernen. Detlef hat mich durch seine offene Weise gegenüber auch fremden/ anderen Meinungen immer wieder überrascht. Das kannte ich so aus meinem Umfeld eher nicht. Egal, welche Einstellung man hat, er ließ sie zu und stand ihr offen gegenüber. Von Sonja bleiben mir die spitzen Bemerkungen im Kopf und Bauch, die immer wieder willkommen waren. Fachlich überzeugt haben mich beide – wobei ich das Gefühl habe, sie haben nur einen kleinen Teil ihres Könnens gezeigt.

Was vom Tage übrig blieb:

Vom ersten Tag an war ich überzeugt, dass die Ausbildung das Richtige ist für mich – das Gefühl dauert heute noch an. Ich merke, wie ich selbst in “Standardsituationen” anders bin – achtsamer, zuhörender und fühlender. Da gibt es keine Frage, ob die Ausbildung gut oder schlecht war: ich würde gerne jedem dieses Wissen und diese Gefühle zu teil werden lassen. Doch die Ausbildung hat mich auch eins gelehrt: Geduld und alles zu seiner Zeit. Ich bin jetzt bewußter unterwegs und erkenne hin und wieder einen Menschen, wo dieses Wissen auch fruchtbar aufgehoben ist. Schritt für Schritt… Wenn wir die Welt verändern wollen, können wir damit in unserem Kopf beginnen. Denn oft sind dort (und nur dort) die Grenzen, die wir spüren – sie zu ändern oft nur einen Gedanken weit weg.

 

Boris Kesseler,  Lean Production Consultant, BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH

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